Ein bisserl weniger, ein bisserl mehr

Kein Papier kaufen, mich von Bändern nicht verführen lassen, das ganze Bastelmaterial auf ein Drittel reduzieren - das ist mein Vorsatz seit Oktober 2016. Nicht etwa, weil ich das Basteln und Werkeln aufgeben will, sondern weil ich Platz schaffen möchte. Ich habe vieles aufgehoben, "weil ich es später noch brauchen könnte/werde" - und manchmal, das muss man schon in aller Fairness (mir selbst gegenüber) sagen, stimmt das auch. Ich kann Taschen schnell reparieren, weil ich immer Zippverschlüsse in vielen Farben und Längen da habe. Ich kann leicht 10 Entwürfe für eine Karte zum 30er machen, ohne ins Papiergeschäft fahren zu müssen.
Aber zwischen all dem, was nützlich ist, liegen auch seit etwa 1 1/2 Jahren fünf Kochlöffel, die ich mir extra bestellt habe, um Puppen daraus zu machen - ist bislang nicht passiert.
Satinröschen, 100fach
Genauso wenig wie mit den ungefähr 100 winzigen Satinröschen, die ich für eine Hochzeit gekauft, dann aber doch nicht verwendet habe. Auch die großen IKEA-Boxen voll mit Stoff haben mich leider nicht automatisch in eine routinierte Näherin verwandelt. Viele Ideen schaffen es, vor allem aus zeitlichen Gründen, nicht in die Realität...

...und aus genau diesem Grund musste ich mir selbst eine Shopping-Sperre und einen Verbastelungsauftrag verordnen. Fünf Monate später ist es Zeit für eine Rekapitulation über Erfolg und Misserfolg.

Ich habe STAPELWEISE Papier zerschnitten - große Naturpapierbögen sind nun A5-Bögen, ein vermutlich um die 45cm hoher Stapel , bereit, um in Karten gefalten zu werden. Riesige und heikle - weil teure und leicht zu zerknitternde - Geschenk- oder sonstiges Spezialpapierbögen sind auf mein Lieblingsmaß 13,85 x 9,5 Zentimeter geschrumpft. Bei weitem nicht alle. Aber einige.
Zugeschnittene Designpapiere
Und ich merke, dass das manchmal schon genug ist, um mich von den Dingen nicht mehr so dominiert zu fühlen. In kleinen, schützenden Folien sind die Papiere nicht mehr (so) heikel. Sie schreien mir nicht jedes Mal entgegen: "Tu was mit mir. Verwende mich. Aber bitte ja nicht falsch!" Wenn sie erstmal zerschnitten sind, habe ich mich schon entschieden, sie in einer bestimmten Größe zu verwenden. Der Druck des "Richtig oder Falsch" ist weg.

Für ein paar von Euch mag jetzt sehr verrückt und dick aufgetragen klingen, aber ich weiß, dass es auch einige gibt, die sich - vielleicht nicht mit Bastelpapier, aber in anderen Bereichen oder mit anderen Dingen - gut in mich hineinversetzen können. Und für alle anderen... gibt es nicht Situationen, in denen ihr Euch von Besitz erdrückt fühlt (und Euch doch nicht ganz trennen könnt)?

Trennen - das ist ein guter Punkt, denn weggeworfen habe ich natürlich auch einiges. Keine Sorge. Nichts Wichtiges. Nichts, was jemand anderer noch gut und gerne verwendet hätte. Sondern Stoff- und Papierschnipsel, die ich von Anfang an nicht aufheben hätte sollen. Kartenentwürfe aus den Bastel-Anfängen, die einfach nur in einer Box waren. Abfotografiert zur Erinnerung und dann weg damit. Oder ich habe sie der kleinen Miss in ihre Bastellade gelegt und sie hat sich einen Haxen ausgefreut mit glitzernden, geprägten, beschichteten und haptisch wunderschönen Papieren zu arbeiten.


Ich fühle mich insgesamt schon leichter.

Dass Sami mir neue Lampen im Bastelzimmer montiert hat und der ganze Raum schon mehr an Heimeligkeit gewonnen hat, hilft auf meiner Reise, im Zuge derer ich hoffe, mehr in meinem Inneren anzukommen.

Meine Challenge ist natürlich auch über einige Holperwege unterwegs. Sami hat 3 Mal sagen müssen: "Soll ich online gehen und verraten, was Du gerade gemacht hast?" "Wirst Du das auch auf dem Blog schreiben?" Einmal ging es um 4 Stempelkissen, die ich mir kurz vor Weihnachten gekauft habe (Wie soll man grüne Tannenbäume ohne Grün stempeln? Zugegeben... mit Rot habe ich nicht ganz so viel gemacht, wie ich dachte.), einmal habe ich einen Gutschein in einem Bastelgeschäft eingelöst und dann noch 13 Euro drauflegen müssen (Es gibt schlimmere Vergehen, zumal es nicht um Material, sondern um Bastelwerkzeug ging, aber klar: Nicht-kaufen wäre konsequenter gewesen.) und beim dritten Mal hat er zwar gemeint, es handle sich um einen Verstoß gegen meine Regeln, allerdings habe ich von Anfang an gesagt, dass ich in beschränktem, vernünftigem Maß Material kaufen kann, wenn es mir hilft etwas anderes aufzubrauchen - also ich darf z.B. Kleberoller kaufen, weil ich ohne den keine Karten zusammenkleben kann. Ein viertes Mal - das hat Sami allerdings nicht mitbekommen - habe ich bei Hofer 4 Designpapierblöcke erstanden.

In allen vier Fällen kann ich sagen: Was gekauft wurde, wurde auch sofort eingesetzt (das rote Stempelkissen halt noch ein bisschen zu wenig). Viele der Hofer-Papier-Karten habe ich auf Instagram (@VlikeVeronika) gepostet. Die neue Buchstabenstanzschablone kam schon sehr viel zum Einsatz, genauso wie die Alkoholmarker, mit denen ich gerade zen-mäßig gestempelte Blumenmuster ausmale.



Ich habe seither eine Jacke und ein Cape genäht - das waren sicher 4-5 Meter Stoff, die dadurch verwendet wurden. Zwei kleinere Kostüme für die Kinder waren auch dabei.

Klar, ich habe noch viel vor mir. Aber einiges ist mir in diesem Prozess auch ganz klar geworden. Zum Beispiel, dass ich in Zukunft weniger Zeit dafür aufwenden will, 50x70-Zentimeter-Bögen zu zerschneiden - das habe ich immer gemacht, weil es den Kartenpreis niedrig halten sollte: Material kostet Geld - ist klar (A4 ist verhältnismäßig teurer als ein Großbogen). Dass meine Arbeitszeit aber auch wertvoll ist, ist etwas, das ich lernen muss.
Abgesehen davon braucht ein Großformat auch viel Platz. Handlichkeit und Preis/Leistung - wichtig!

Ich will mich auch nicht länger hinter Sätzen wie "Ja, ich mach Karten. Das ist mein Hobby." verstecken. Es ist kein Hobby, wenn man Rechnungen dafür schreibt. Wo andere mich schon ernst nehmen, muss ich selbst lernen endlich nachzuziehen. Konkret darauf angesprochen, fühle ich in mir immer wieder einen Rechenschaftszwang, "dass ich eh nicht nur bastle", sondern auch einen "richtigen Beruf" habe und verweigere mir selbst das Recht darauf, stolz auf das zu sein, was ich bisher erreicht habe und nehme mir die Möglichkeit, dass es auch weiter - irgendwo hin - wächst.

Und daraus formuliert sich auch die Frage: "Wohin will ich?"
Die einfache Antwort ist: "Hoch hinaus" - wobei der Weg mit seinen Meilensteinen das Ziel ist.


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