Besitz, Besinnung und ein Plan

Besitz ist so eine Sache... man findet etwas (im Geschäft), man findet es toll, man will es haben. 
Man hat es,...
...man mag es. 
Man findet ein zweites,...
...man findet es toll,...
...man will es haben.
Man hat es,...
...man mag es. 
Manchmal ein bisschen zu sehr, um es zu verwenden.
Dann bekommt man noch eins, weil jemand gesehen hat, dass man so ein ähnliches schon hat und man es ja offenbar gern mag.

Irgendwann hat man so viele davon, dass man etwa 10 Bananenkisten, 5 große IKEA 65-Liter-Samla-Boxen mit Stoffen, 8 kleinere Boxen, eine 15 Zentimeter hohe Kiste nur mit Geschenkpapierbögen und unzählige anderen Umzugskisten mit Kleinteilen braucht, um das ganze Schöne zu transportieren.

In den Umzugsmonaten dachte ich, ich ersticke. Ich ersticke an dem ganzen Zeug - das ich wollte, weil es mir Freude gemacht hat und von dem ich dann immer mehr wollte, weil es auch anderen Freude bereitet hat. Und immer wenn es Geld gebracht hat, habe ich wieder welches in die Mühle hineingeworfen.

Wenn man viele Abende um neun, zehn, elf am Abend in der Wohnung steht und die vielen heiklen Einzelteile zu verpacken versucht und nicht und nicht weiterkommt, ist man versucht, riesige schwarze Müllsäcke aufzuschütteln und alles hineinzuwerfen.
Ich habe in der Zeit wirklich mit mir gehadert - wie viel Geld, wie viel Zeit, wie viel Energie ich in all das investiert habe - und habe mich oft gefragt: "Soll ich das Basteln, das Kartenmachen, das Nähen,... aufgeben? Kann ich das überhaupt? Macht mich das glücklicher oder unglücklicher? Warum mache ich das überhaupt?"
Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob es mir fehlen würde. Was ich aber weiß: Die Zeit es herauszufinden, ist noch nicht gekommen. Im Zweifel oder einer Durststrecke aufzugeben ist nie vernünftig. Was dann bliebe, wären nur noch mehr Zweifel über das eigene Durchhaltevermögen.
Also bin ich zur Kernfrage zurückgekehrt: Warum mache ich das überhaupt? und auf die einzige Antwort gestoßen, die etwas zählen sollte...
 


Weil ich es will! Ich möchte mich mit Kreativität im weitesten Sinne befassen - mit meiner, der anderer, ich will unseren Kindern helfen, ihre kreative Ader zu entdecken, sie mit Materialien, Formen, Farben, Texturen und Techniken vertraut machen. Ich will selbst noch vieles herausfinden. Wie funktioniert dies und das - wie geht es nicht? Ich will versuchen Dinge selbst zu machen, bevor ich in ein Geschäft gehe, um sie dort zu kaufen - manches kann ich selbst, manches nicht und ich will Geld vernünftig ausgeben. Vernünftig heißt aber auch, einsehen, dass manche Dinge viel Geld kosten - und dass sie es wert sind!
Meistens ist Selbermachen billiger, manchmal ist es teurer und manchmal kostet es gleich viel. Individualität hat ihren Preis und genau darum geht es wahrscheinlich bei diesem - meinem - ganzen Projekt veronicard: Wann leiste ich mir Individualität und wann nicht.


Und mit meiner Entscheidung für das Basteln ist auch eine zweite gefallen: Es darf nichts mehr dazukommen, bis die Reserven auf ein Drittel geschrumpft sind. Ja, genau: Ich kauf nix - wie Nunu Kaller - nur dass es bei mir nicht um Mode, sondern um Bastelmaterialien und -werkzeug geht.

Sticking with the plan
Auch wenn sich der Vorsatz sofort gut angefühlt hat, musste ich noch die lähmende Vergiftung, die sich während des Packens breit gemacht hat, aussitzen, bevor ich alles wieder ausräumen und den größten der drei Kellerräume für mich erobern konnte (und genaugenommen ist noch gar nicht alles ausgepackt). Aber genau dort sitze ich jetzt seit zweieinhalb Wochen gelegentlich und fühle mich dem nachhaltigen Upcycling-Gedanken, dem Wertschätzen, dem Wiederverwenden, dem Aufwerten und Nicht-gleich-wegwerfen viel näher als je zuvor.
Meine erste Amtshandlung? Lavendelsackerl für Stoff- und Kleiderboxen nähen, aufgegangene Nähte in 3 Kleidungsstücken nähen und einige Meter Tüll in ein neues Tutu (Ballettrockerl) für die Verkleidungskiste der kleinen Miss verwandeln.

Auch die Kinder durften die Pfaff zum Rattern bringen und haben sich "Schatzsackerl" genäht - die Kinder einfach mal lassen machen, auch wenn dadurch mehr Kleber verwendet wird als eigentlich nötig, sie schneiden lassen, auch wenn der Bogen dann nicht mehr zu gebrauchen ist und nicht immer "Nein, ich mach das lieber" sagen... ich denke, das sollte Teil meiner Bastel-Entschlackungsphase sein.

Der Stresstest
Natürlich wurde ich auch schon getestet - ich musste eine Stampin-Up-Partyeinladung ablehnen, was mir nicht leicht gefallen ist. Aber innerhalb einer Woche sind etwa 15 neue Kartendesigns entstanden, bei denen ich nun schaue, was in Serie gehen wird und was nicht.
Die großen Prüfungen steht mir allerdings erst bevor - der schon geplante Trip nach England, wo der Shoppingwahn in der Regel seinen Höhepunkt erreicht, wird keinen Besuch bei meinem Geschenkpapierdealer inkludieren ("...und führe mich nicht in Versuchung...").
Außerdem findet von 20.-23. Oktober die Ideenwelt - eine Messe für Bastler und Selbermacher - statt, die ich schon ohne Verzichtsregeln immer gemieden habe. Vielleicht ist es aber sogar leichter, die Ideenwelt zu besuchen, wenn man gar nicht mehr den Stress hat, sich zwischen vielen Dingen zu entscheiden, sondern die Messe beim Namen nimmt und sie als eigene Welt voller Ideen versteht.


Zwei Ausnahmen...
...wo es Regel gibt, braucht man Ausnahmen. Sie Euch hier zu sagen, ist Teil des Detoxings - wenn ich sie nicht niederschreibe, halte ich mich nicht dran. Im Selbstbescheißen bin ich Weltklasse.
Also: erlaubt sind 1. nur bewusste Einkäufe für bestimmte Projekte, die auch sofort umgesetzt werden - in 2 Wochen kommt eine Freundin zum Türkranz machen und ich besorge ihr vorab das Material... aber eben nur für sie und nicht noch dies und das für mich. Die 2. Ausnahme sind Verbrauchsmaterialien, die ich brauche, um den vorhandenen Materialberg zu verkleinern: Kleberoller, Fotokleber, Bastelkleber für die Kinder. Sollte die Schneidemaschine in dieser Zeit stumpf werden, darf ich mir die Ersatzklinge kaufen. Das war's. Sonst muss improvisiert werden.


Wrapping it up
Ich schreibe Euch gerne - in meinen Gedanken noch viel öfter als in der Realität (und sehr oft zu ganz anderen Themen als Basteln) - und auch das gehört zu mir dazu und zu der Phase in meinem Leben, in der ich, als Mama-Funktionärin, nicht jeden Abend raus, raus, raus kann (und will), sondern in der ich mich auch gerne zurückziehe, um in ein paar Stunden etwas Neues zu erschaffen, das mich einen langen Tag mit einer fertigen Sache abschließen lässt, an dem so viel unfertig geblieben ist: die Wäsche, das Aufräumen, die To-Dos, die Arbeit, die unbeantworteten SMS. Aber wenn dann so eine fertige Karte vor mir steht, denk ich: "Ja, es geht was weiter."

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