Der veronicard-Kern



In meinem vorletzten Blog habe ich 21 Papier-Bastelideen in den Ring geworfen und auf fischundfleisch.com, wo ich seit Februar 2015 regelmäßig blogge, versprochen (vielleicht vor allem mir selbst, aber ich weiß, ich habe es auch in die Tastatur getippt), eine kleine veronicard-Serie zu machen. Bevor ich die Fragen beantworte, die mir am häufigsten gestellt werden (wie etwa "Lohnt sich Selbermachen überhaupt?" oder "Woher nimmst du deine Ideen?"), werde ich heute versuchen, die Entstehung und den Kern von veronicard in Worte zu fassen. Etwas, wovor ich mich seit nun fast vier Jahren drücke. Warum? Das steht auf einem anderen Blatt.

Wie veronicard entstand


Im Frühjahr 2004 suchte ich intensiv nach liebevoll gestalteten und trotzdem leistbaren Hochzeitseinladungen für unseren großen Tag. Wir waren 20 und 22 Jahre alt, beide Studenten. Nichts, was in unserem Budget lag, entsprach dem, was ich mir als Visitenkarte für unser Fest vorstellen konnte und so sammelte ich Ideen und versuchte mich selbst als Bastlerin. Holprig und auf dem Gebiet Gruß- und Glückwunschkarten absolut unerfahren, machte ich meine ersten Gehversuche. Peinlich. Echt! Die Einladung zeige ich heute nicht gerne her, aber sie war der Anfang von etwas, was mir seither unheimlich viel Freude bereitet hat.

Ich besorgte mir meine ersten eigenen Stanzer und Bänder, 250g/m²-Kartenpapier und eine Schneidemaschine. Mit einem Kopf voller Ideen, einem Schreibtisch, der mit Probekarten und Kartenvariationen übersät war und einem leisen, doch permanenten Herzschlag für mein neugefundenes Hobby, begann ich dem Impuls nachzugehen - ahnungslos wohin er mich führen würde.

Einige Jahre habe ich nur für mich, später für meine Familie, dann den Freundeskreis und dann immer größer gezogene Kreise gebastelt. Lange Zeit stand veronicard - wie es schon im Namen steckt - für handgemachte Grußkarten. Karten, die jeden Anlass zu einem Ereignis machen. Ob Geburtstag, Hochzeit und Jahrestag, Geburt und Taufe oder auch nur eine liebevolle Einladung zum ganz normalen Nachmittagskaffee, der erste Schultag, die bestandene Prüfung oder ein einfaches "Ich denk an dich" - veronicards sollten den Zeilen des Absenders einen besonderen Rahmen geben.

Den Vibe hatte ich aus Großbritannien, wo meine Schwiegerfamilie lebt, mitgenommen. Ich kenne alleine drei Ketten mit unzähligen Filialen, die nur Grußkarten, Geschenkspapiere und Verpackungsaccessoires verkaufen. Neben diesen Ketten gibt es noch die vielen kleinen Läden, die auch alle ein breiteres Karten-Sortiment haben, als jede "Papier- & Schreibwaren"-Filiale in Österreich. Die in-laws schicken uns auch zu wirklich jedem kleinen Anlass Grüße in Kartenformat - zum Hochzeitstag, zur bestandenen Prüfung, als Dankesschreiben für einen Urlaub, den sie bei uns verbracht haben oder als Dankesschreiben dafür, dass wir unseren Urlaub mit ihnen verbracht haben (!). Sehr höflich. Sehr britisch. Aber auch einfach sehr nett und aufmerksam, und auch wenn ich nicht wild darauf bin das britische Verpflichtungsgefühl, das sich manchmal in diesen Kartenschreib-Politics versteckt, nach Österreich zu bringen, so finde ich es doch schön, wenn das traditionelle "Post bekommen" nicht verschwindet und man Menschen, an die man denkt, auch wirklich mit einer Karte überraschen kann, die an sich etwas ausdrückt. Die mehr sagt als 1.000 Worte, weil sie liebevoll erdacht und von Hand gemacht ist. Menschen, die meine Karten bekamen, fingen an nachzufragen, woher die seien, ob sie auch welche haben könnten und so habe ich weitergemacht.

Immer häufiger wurde ich nach einer Onlinegalerie gefragt, wo man sich die Karten ansehen kann. Lange habe ich mich dagegen gewehrt. Zu mühsam, zu aufwendig. Ich hatte einen energiesaugenden Job, mein Hobby - veronicard - sollte mich nicht belasten, sondern als Ausgleich dienen. 2011 wurde ich Mama und mit der kleinen Lady kam wieder mehr Zeit und Ruhe in mein Leben, also fing ich im November 2011 zu bloggen an.Eigentlich sollte es nur um die Karten gehen... eigentlich. Doch schon mit dem Feedback der ersten Do It Yourself-Challenge - die mittlerweile ein nicht wegzudenkender Bestandteil des veronicard-Blogs geworden ist - wurde deutlich, dass es viele offenbar genauso kreative Selbermacher im virtuellen Kosmos gibt und es machte und macht mir unheimlich viel Freude, Menschen zu erreichen und sie zum Selbermachen statt selber kaufen zu motivieren. Auch, wenn ich mir damit manchmal ins eigene Fleisch schneide, denn das - und damit bin ich beim Kern von veronicard angekommen - ist auch meine eigene Triebfeder: Ich möchte (mir) Sachen machen, die man SO nicht im Geschäft bekommt.

Eines bin ich bestimmt: ein funktionsorientierter Bastler. Ich mache, was mir Spaß macht und was ich im Hinblick auf (den finanziellen und zeitlichen) Input-Output als ausgewogen empfinde. Ein selbstgemachtes Erinnerungsalbum mit eigens gemachtem, handgeschöpftem Papier und einem ausgemessenen, maßgeschneiderten Einband aus Karton? Hübsch, aber nichts für mich. Meine Ideen müssen in überschaubarer Zeit, mit überschaubarem Aufwand, zählbaren Arbeitsschritten und zu einem vernünftigen Materialpreis umsetzbar sein - für mich und alle, die sich meine Ideen mit unter auch einfach nur abschauen. Ich will ermutigen, Gegenstände zu reparieren statt sie leichtfertig zu entsorgen. Ich zeige, dass man auch aus Omas wüst-gemusterter Essecke eine schöne Sitzgelegenheit machen kann. Oder dass man einzigartige Geschenke für einzigartige Menschen machen und aus Verpackungsmaterial tolle Restl-Karten zaubern kann.

Ich liebe 90°-Winkel, Asymmetrie ist für mich so, als wäre ich eine Katze, die man gegen den Strich streichelt. Stumpfe Klingen machen mich wahnsinnig, ich liebe es neue Papierbögen anzufangen und ich liebe es fast noch mehr Dinge aufzubrauchen. Ich wachse mit den Herausforderungen und so unrund mich Fehler (wie falsche Nähte, ein falscher Kleber, verschnittenes Papier oder widerwillige Schrauben und Nägel) auch machen, weiß ich, dass mich das erfolgreiche Scheitern schon häufig drei Schritte weiter gebracht hat, als der einfache Weg.


Wer sich damit identifizieren kann, ist hier goldrichtig.



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Der Blog erscheint zeitgleich auf www.fischundfleisch.com

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