Buch Wien 14

Ein Highlight im Spätherbst: die Buch Wien 14

Was gleich positiv auffällt ist, dass die Messestände heuer anders angeordnet sind, als die letzten beiden Jahren. Viele Verlage haben ihren gewohnten Platz verlassen und es macht einmal mehr Spaß, Verlage mit tollen Programmen und Bücher zu entdecken. Außerdem befindet sich der Büchershop nicht mehr im hinteren Teil der Halle, sondern gleich im Eingangsbereich. Ehrlich?, es wundert mich, dass nicht schon früher jemand auf die Idee kam, dass man die Besucher zusätzlich zum Kauf verführt, wenn sie die Halle durch die Shoparea verlassen müssen. Und obwohl ich weiß, dass ich hier einer Verkaufstaktik zum Opfer falle - ich genieße es, noch einen Blick auf die vielen herrlichen Bücher zu werfen.

Aber nun zu den heurigen Findings...Ich habe mich wieder mit meinem Handy auf Buchralley begeben und nach vielversprechenden Titeln, spannenden Geschichten und ansprechenden Covers gescouted. Mein Handyfotospeicher war schön voll, doch dann: das Unglück. Das Handy ist den Betontod gestorben, bevor ich die Bilder sichern konnte und so habe ich versucht, die Bücher aus dem Gedächtnis zu laden. Ob ich alle gesichteten und für gut befundenen Bücher wieder beisammen habe, weiß ich nicht, aber es spricht absolut für jene, die ich euch gleich vorstellen werde,... denn diese haben bleibenden Eindruck hinterlassen. Gleich ein zusätzliches Qualitätsmerkmal!


Fingerabdruck Punkt und Strich
Zeichenspaß auf Fingerabdrücken
Fingerabdruckbesitzer: Ed Emberly
Verlag und Fotoquelle: Edition M Fischer

Ihr kennt bestimmt Playmais, da macht man kleine, bunte Maisröllchen nass
und klebt sie auf Papier oder zu phantastischen Gebilden aneinander. Theoretisch.
In der Realität sieht das nämlich so aus, dass mehr Röllchen als Gatsch verenden
und die restlichen vom kleinen Geschwisterchen in den Schnabel gesteckt und
zu farbiger, schauderhaft aussehender Sauce verarbeitet werden.

Wer sich das nicht antun will, hat hier das PERFEKTE Buch. Die Fingerabdruckbilder
von Ed Emberly erinnern in ihrer Form an die Maisröllchen, sind aber viel bedien-
freundlicher und lassen sich in ausdrucksstarke Mäxchen, märchenhafte Gestalten,
schnelle Gefährte verwandeln und sind dabei platzsparend und einsturzsicher. Spitzen Idee.

Filz sich gut an
Autorin: Christine Leech
Verlag und Fotoquelle: Edition M Fischer

Eines der wenigen spannenden Bastelbücher, die ich heuer entdeckt habe.
Schöne, liebevolle Ideen, die allesamt mit dem dankbaren Material Filz umgesetzt
wurden. Wer sich also neu mit diesem Werkstoff vertraut machen möchte,
findet hier gute Anregungen.


Der moderne Spießer
Autoren: Charlotte Förster, Justus Loring
Verlag und Fotoquelle: Klett-Cotta

Unheimlich witziger Gesellschaftsspiegel.
Ansprechende Umsetzung in Grafik und Papier.
Definitiv ein gutes, lustiges Weihnachtsgeschenk 2014.

Manchmal ist ein Fasan eine Ente
Gespräche mit Theresa
Autor: Peter Turrini
Illustration: Gerhard Haderer
Verlag und Fotoquelle: Jungbrunnen

Göttliches mit diffuser Logik aus Kindermund. Most endearing!


Mein Lieblingsverlag, für mein persönliches, kinderfreies Lesevergnügen, ist auch heuer wieder der Elisabeth Sandmann Verlag mit drei inhaltlich fesselnden und wunderschön bebilderten Büchern. Grafisch äußerst leserfreundlich aufbereitet, bringt das Programm des Verlages immer wieder spannende Themen hervor, derer sich in der Art noch niemand gewidmet hat und trifft damit immer wieder gekonnt den Nerv der Zeit. Sollte der Verlag jemals eine Dauer-Rezensentin suchen, rufe ich auf jeden Fall ganz laut: "Hier!"
Frauen der 1920er Jahre
Glamour, Stil und Avantgarde

Autor: Thomas Bleitner
Verlag und Bildquelle: Elisabeth Sandmann

Das Buch selbst ist wie sein Titel: Glamourös, stilvoll und avantgardistisch.

Das Elisabeth-Buch
Ein Name - 25 besondere Frauen

Verlag und Bildquelle: Elisabeth Sandmann

Von den Offensichtlichen, wie Queen Elizabeth, Kaiserin Elisabeth und Elizabeth Arden, über die Abgekürzten, wie Liz Taylor, Elsa Maxwell und der My Fair Lady-Figur Liza Doolittle,
bis hin zu den Überraschenden, wie Isabella von Spanien (ja, Isabella ist eine Abwandlung von Elisabeth!) und Isabel Allende. Gewidmet hat Verlegerin Elisabeth Sandmann das Buch
ihrer Mutter - die ebenfalls den Namen Elisabeth trägt.
Für alle Elisabeths ein Must, für alle anderen ein empfohlener Schatz im Bücherregal.

Die Stunde der Frauen
zwischen Monarchie, Weltkrieg und Wahlrecht
1913-1919
Autorin: Antonia Meiners
Verlag und Bildquelle: Elisabeth Sandmann

Kaum ein Verlag kam in den letzten Jahren ohne eine Publikation zum 1. Weltkrieg aus.
Die hier richtet den Scheinwerfer auf die Frauen jener Jahre. 


Die coolste Schule der Welt
Autorin: Saskia Hula
Illustration: Ina Hattenhauer
Verlag und Fotoquelle: Residenz/Nilpferd

Das Autorin-Illustratorin-Team Hula/Hattenhauer ist für mich
die Antwort auf die britische Schriftstellerin Julia Donaldson,

die für zahlreiche Kinderbuchkassenschlager mit Axel Scheffler gemeinsame Sache macht.

Ihr erfolgreichstes Buch ist zweifellos der Grüffelo.
Die Wienerin Saskia Hula und die in Berlin geborene Ina Hattenhauer
haben mit "Die coolste Schule der Welt" und "Das größte Geheimnis der Welt"
bezaubernde Folgebände zu "Die beste Bande der Welt"
geschaffen. Ein Tipp für alle Vorschul- und Volksschulkinder.

Das größte Geheimnis der Welt
Autorin: Saskia Hula
Illustration: Ina Hattenhauer
Verlag und Fotoquelle: Residenz/Nilpferd

Ein weiteres Abenteuer von Oskar und seiner besten Bande der Welt.

"Was ist ein Traum?", fragte Jonas
Autor: Hubert Schirneck
Illustration: Sylvia Graupner
Verlag und Bildquelle: Jungbrunnen

Heulend wacht unsere Tochter auf und raunzt Papa an: "Du hast gesagt ich darf nicht!"
"Was darfst du nicht?"
"Den Jellyfish (Qualle) angreifen"
Okay... ein Traumverbot also. Was aber ist ein Traum und wie erklärt man das
einer 3-jährigen?
Das Buch gibt zauberhaften Anstoß, um Kindern Träume in ihrer Vielseitigkeit und
Fabelhaftigkeit näher zu bringen. Auf jeder Seite erfahren wir eine neue Facette, die
sprachlich erstklassig verpackt ist.

Die neue Omi
Autorin: Elisabeth Steinkellner
Illustration: Michael Roher
Verlag und Bildquelle: Jungbrunnen

Die alte Omi war streng und hat manchmal gemeckert. Die neue ist irgendwie... anders.
Die Veränderung ist für die Erwachsenen schwer, aber Fini findet es richtig toll mit
der neuen Omi. Schon die Farbstimmung des Buches verrät: Dieses Buch ist nicht gerade
das klassische Kinderbuch. Vielmehr ist es der gelungene Versuch Kindern
das Thema Demenz näher zu bringen.

Als Paula den Löwen vor Oma versteckte
Autorin und Illustration: Helen Stephens
Übersetzung ins Deutsche: Seraina Staub
Verlag und Fotoquelle: Orell Füssli/Atlantis

Ihr habt es oben sicherlich gesehen - Autorin und Illustratorin in einem. Das ist großartig,
denn Bild und Text ergänzen sich. Genauso, wie wir sie nun sehen, hat sich Helen Stephens
die kleine Paula, den Löwen und die Oma vorgestellt. Die Zeichnungen erinnern mich
an die Kinderbücher meiner Mutter, also an den 60er Jahre-Style. Wunderbar erzählt.
Mit einer Oma, wie sie im Buche steht - im wahrsten Sinne.

Amelie und der Fisch
Helga Bansch
Verlag und Bildquelle: Jungbrunnen

Amelies Angst vor Wasser macht ihr so richtig kalte Füße, doch dann überwindet sie sich
taucht die Zehen in Wasser und findet einen Freund, von dem sie sich nur ungern trennen
will. Sie entwickelt also einen Plan. Doch bald muss sie feststellen, dass ihre Idee
ihren neuen Freund unglücklich macht. Vom Überwinden der Angst, dem Loslassen
und dem Verständnis für den Anderen. Für kleine Vorlesekinder.


Fazit: Was mir heuer sehr stark auffiel ist, dass man ein Buch - und das gilt insbesondere für Kinderbücher - sehr wohl nach seinem Cover beurteilen sollte. Denn auch wenn nicht alles gut ist, was toll verpackt ist, so muss man leider sagen, dass zu abstrakte, gruselige und teilweise einfach wirklich schlechte Illustrationen jedwede inhaltliche Qualität zunichte machen. Und leider haben manche Verlage immer wieder solche Bücher im Programm, um deren Geschichte es wirklich schade ist. Auch an solche Bücher kann ich mich erinnern, werde sie der Fairness halber hier einfach weglassen, als sie als No-Go zu featuren.
Im Do It Yourself-Segment konnte ich heuer eher wenig erspähen, was sich wirklich neu und nützlich liest, da es wirklich viel zu diesem Thema online und damit meist gratis gibt. Ein Nähbuch um 20-30 Euro beispielsweise ist auch nicht ganz das, was Hobbyschneiderinnen suchen, da es sich modisch viel zu schnell überholt. Da ist man mit einem Burda-Jahresabo meiner Meinung nach besser beraten.
Die Kochbuch-Verlage sind ganz stark auf den Vegan-Trend sowie Cupcakes und Cake Pops aufgesprungen. Natürlich dürfen auch die gefühlt 10 neuen Bücher zu den besten, einfachsten,... Keksrezepten für die Weihnachtszeit nicht fehlen.

Ich freue mich schon jetzt auf die Buch Wien 15!



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