Cinderella (DIY-Challenge #34)


Tüll - soweit das Auge reicht. Dank der Hochzeit von D&T hatte ich METER von champagnerfarbenem Tüll zuhause. Eine dicke, fette Rolle! Und (noch) keinen Plan für die Verwendung.

Bestecksackerl
Bei der Gartenhochzeit von J&H kam er für die Bestecksackerl schon einmal zum Einsatz, doch danach war noch immer so viel da...

Zum Glück! Denn neulich wurde mir klar: Die Welt braucht Prinzessinnen! ...und Ballerinas und die brauchen alle Tüllröckchen!
Also habe ich mir angesehen, wie man die am besten macht, habe drei Möglichkeiten gefunden und ausprobiert:
...eine ohne Nähen
...eine mit Nähmaschine
...und die ganz ordentliche Art einen Tüllrock zu nähen (im Detail nachzulesen bei Burda oder auch hier oder auch in der aktuellen Burda Sonderausgabe "Nähkurs").
Schwer sind alle drei Rockversionen nicht. Nr. 3 ist ein bisschen aufwendiger, aber offensichtlich schaffbar, denn ich bin beim Gewand Nähen ein Anfänger (4 Jahre textiles Werken in der Unterstufe mit ausgesprochen hässlichen Werkstücken liegen in meiner dunklen Vergangenheit) und jetzt wage ich mich sogar mit dem Endergebnis zum OPERNBALL. Ich traue mich wetten, dass das das günstigste Kleid ist, das je das Opernballparkett geputzt hat, aber dazu später mehr.

VERSION 1

Du brauchst:
- ein Gummiband in der Länge des Hüftumfanges + 5cm
- unheimlich viele Tüllstreifen (ca. 5cm breit und doppelt so lang wie die Rocklänge sein soll)


Streifen in die Hälfte falten, um den Gummi legen und durch die Öffnung fädeln.
Wiederholen, wiederholen, wiederholen. 



Wenn du abschätzen kannst wieviel du noch brauchst,
kannst du ein Schmuckband auf den Gummi nähen


...und das Band dann auch noch ca. 2cm weit einarbeiten, sodass
es unterm Tüll verschwindet.
Dann verknote den Gummi, binde das Band zur Schleife und...
...Ballerina finden.
VERSION 2
Du brauchst:
- eine Nähmaschine
- einen breiten Gummi (hier ca. 8 cm) in der Hüftumfanglänge + Nahtzugabe
- Tüll (hier wurden ca. 4,5 Meter verarbeitet)

Mein Ausgangstüll - das ist hier vielleicht auch noch sinnvoll zu erwähnen - war allerdings nicht mehr in der Originalbreite. Er war sehr lang, aber in der Stoffbreite auf ca. 70cm zugeschnitten. Ich habe ihn in der Mitte gefalten, kam also auf eine Länge von 35cm und habe ihn dann so in Falten gelegt.

Diese Version ist nur für ein Kostüm sinnvoll, denn - aber das habe ich auch erst beim Nähen herausgefunden - dieser Tüll ist in der Breite, aber nicht in der Länge elastisch und fällt, wenn man nicht mit der Elastizität arbeitet nicht ganz so locker. Für ein Kinderkostüm aber wirklich egal.


gefalteten Tüll in Falten legen und am Bug in Falten gelegt feststecken 


Da der Tüll dann auf ein elastisches Gummiband kommt,
sollte man eine Stretchnaht machen.
So kann man den Gummi dehnen und die Naht reißt nicht.


erste Bahn aufnähen


2. und 3. Bahn (Stoff immer doppelt nehmen, dann ergibt das 6 Lagen Tüll)
Wenn ihr auch mit einem dicken Gummiband arbeitet, dann näht zuerst die unterste
und dann ca um jeweils 1cm nach oben versetzt die 2. und 3. Tülllage fest.


für die Seidenmasche: ca. 22cm Seidenband nehmen


in der Mitte falten und zusammennähen


2. Band mit einer Länge von ca. 11cm in eine Falte gelegt zusammennähen


und zu einem Ring zusammennähen


das lange Band durch den Ring fädeln
einen beliebig langen Streifen vom Band abschneiden und...
hinten durch das Band ziehen




  

GeburtstagsLili


Prinzessin oder Schlossdrache - noch unentschieden




Bei Version zwei ist der Gummi zwar hinten zugenäht, der Tüll blieb aber offen. Man kann nun schon die einzelnen Tülllagen mit einer Naht schließen, aber ich fand es nicht notwendig, weil die Öffnung ohnehin unter dem Tüllberg verschwindet und da ich ja (nicht ganz schlauer Weise) gegen die Elastizität des Tülls gearbeitet habe, hätte es, wenn ich nun auch noch die Öffnung zugenäht hätte, keinen Spielraum gegeben - beim Rumhüpfen wäre der Rock schnell eingerissen. So hält er aber sicher einigem Prinzessinnengerangel stand.



Tja... und dann dachte ich, ich bin mutig, und habe 7 Meter schwarzen Tüll gekauft, mir den Schnitt für einen Tüll-Rock von Burda heruntergeladen und mit der VERSION 3 losgelegt.

Ich wollte es ein bisschen anders haben, als es in diesem Schnitt beschrieben ist, denn ich brauche ja kein kurzes, viellagiges Röckchen, sondern einen langen Rock. Darum habe ich zwei Dinge gemacht: 1. den Tüll mit 120cm (statt 60cm, wie im Schnitt beschrieben) zugeschnitten und 2. mir aus einem anderen Burda-Heft einen schmal geschnittenen Rock herausgesucht und den Schnitt einfach länger gemacht (war auf 70cm Rocklänge ausgerichtet und ich hab die Linien nach unten einfach auf 120cm verlängert). Das Wichtige war für mich ja zu sehen, wie das oben gemacht gehört.
Daraus wurde dann ein dunkelgrauer Futterseide Unterrock mit Zippverschluss und oben drüber kamen zwei Lagen Tüll (jeweils 3 x 150cm breiten Tüll mit einer Länge von 120cm aneinandergenäht, dann mit großen Stichen gesteppt und mittels Zug am Unterfaden auf Hüftumfang zusammengezogen).
Im nächsten Schritt habe ich den Tüll auf dem Unterrock angenäht und dann auf der Corsage festgeheftet. Zum Schluss noch den Saum gekürzt.
Wofür ein erfahrener Näher ein paar Stunden braucht, hat bei mir mehrere Abende gedauert.
Aber es hat sich ausgezahlt!

Ein einzigartiges Kleid für einen einzigartigen Abend.

Und gekostet hat es - Trommelwirbel - 25 Euro und 24 Cent
                 7,00 € Corsage
                 0,99 € Schnitt
               12,96 € Tüll
                 1,63 € Zipp
                 2,66 € Futterseide        
in Summe: definitiv ein Einzelstück








Und was hat es mit dem Opernball auf sich?

Auch ich war ja mal so eine kleine Prinzessin. Die wallende Kleider und Glitzer liebte. Und die gerne davon träumte, irgendwann zu diesem "Ball der Bälle" zu gehen, dem Prinzen zu begegnen und mit ihm zu tanzen.
Seit ich das Hauptabendprogramm schauen darf, habe ich mir immer den Opernball angesehen und mir vorgestellt dort... eines Tages... "wenn ich mal groß bin"... und so weiter. Tja, jetzt bin ich groß. Und wenn ich meinen Glasschuh auf der Feststiege verliere, dann braucht der Prinz nicht nach mir suchen. Wir kennen uns ja schon.



Es war also ein richtig großes Ding, für mich zum Geburtstag Karten für den Opernball geschenkt zu bekommen:
Mein 30er - 4 Tage vor der Geburt unseres 2. Schatzes. Ich bin, gelinde gesagt, aus allen Wolken gefallen. Abgesehen davon was es kostet (Gott sei Dank wusste ich die genaue Zahl damals nicht), aber auch die Tatsache, dass ich 4 1/2 Monate später in ein passables Kleid passen sollte und mir noch eine Woche davor eine Kurzhaarfrisur schneiden hatte lassen (und doch, WENN ICH SCHON am Opernball tanzen darf, eine Hochsteckfrisur will).
Und dann nahm doch alles einfach seinen Lauf.

Im Dezember habe ich mir ein Kleid gekauft. Es hat gepasst, der Preis war gut, es hat mir sehr gut gefallen und ich habe mich gefreut 2 1/2 Monate nach der Geburt von Little F. passabel in einem Ballkleid auszusehen... nur war's irgendwie nicht DAS Kleid. Als dann die liebe Vroni zu mir sagte: "Ah, mach dir selber eins...", hab ich nur gelacht... und dann eine Nacht darüber geschlafen, und noch eine und noch eine. Dann bin ich ins Stoffgeschäft gefahren. "Nur mal schauen" und zwischen tausenden Stoffballen hing eine einzige Corsage in meiner Größe. Mit Originalpreisschild: 1420€. Vielleicht hat das Stoffgeschäft sie von einem in Konkurs gegangenen Brautmodengeschäft... jedenfalls habe ich sie um 7€ bekommen. Und damit war ich dem selbstgemachten Kleid schon einen großen Schritt näher. Der Rest ist Nähgeschichte... und auch ein bisschen Cinderella-Story.


Danke!

Fürs Lesen und fürs Mitfiebern.


P.S.: Im Sinne des Niemals Nie Sagens: Selbst wenn ich nochmal die Gelegenheit hab, wird's nie wieder so spannend wie morgen! 


P.P.S.: 


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